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Fragen & Antworten zur englischen Insolvenz

Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen zum englischen Insolvenzverfahren (EU-Insolvenz, Privatinsolvenz, Regelinsolvenz), über das Leben in England und einige Gesetzesgrundlagen. Wir bemühen uns, die Fragen vollständig und korrekt zu beantworten – übernehmen jedoch keine Gewähr für die Richtigkeit.

Was ist eine Privatinsolvenz nach englischem Recht?

Die Insolvenz in England gewährt automatisch Restschuldbefreiung spätestens 12 Monate nach Antragstellung und die englische Restschuldbefreiung muss von allen deutschen Gerichten anerkannt werden. Nach englischem Insolvenzrecht tritt die Restschuldbefreiung spätestens 12 Monate nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens automatisch ein. Maßgeblich ist der Eingang des Abschlussberichtes der Insolvenzbehörde beim Insolvenzgericht. Ab dann sind Sie restschuldbefreit. Voraussetzung für die Anwendung der englischen Insolvenz-Gesetzgebung auf Ihre Person ist, dass Sie in England Ihren Lebensmittelpunkt (center of main Interest) haben.

Dauert die Restschuldbefreiung bei einer Insolvenz in England immer 12 Monate?

Ja, dies ist per englischem Gesetz so geregelt, dass Sie nach spätestens 12 Monaten schuldenfrei sind,ist also nicht vom Wohlverhalten des Schuldners abhängig. Der OR (Official Receiver = Insolvenzverwalter) bzw. das Gericht geht von variablen Zeiträumen eines Insolvenzverfahrens in England und Wales aus. Im englischen Insolvenzverfahren ist die Restschuldbefreiung garantiert (automatic Discharge), wogegen im deutschen Verfahren dem Schuldner lediglich angekündigt wird, die Restschuldbefreiung nach Ablauf der Wohlverhaltensphase ggfs. erteilt zu bekommen.

Welche Verbindlichkeiten (Schulden) werden durch die Restschuldbefreiung in England erfasst?

Normalerweise alle, bis auf wenige Ausnahmen! Zum Beispiel werden folgende Schulden erlassen:

  • BAföG – Schulden
  • Kredit-Schulden
  • Miet-Schulden
  • Zins-Schulden
  • Versicherungs-Schulden
  • Kreditkarten-Schulden
  • Sozialhilfe-Schulden
  • Unterhalts-Schulden (Ehepartner & Kinder), sofern nicht durch Urteil erwirkt
  • ARGE-Schulden
  • Strom-Schulden
  • Heizkosten-Schulden
  • Finanzamt-Steuer-Schulden
  • Krankenkassen-Schulden
  • Warenhaus-Schulden
  • Handyvertrags-Schulden

Wie viel Zeit muss ich zunächst in England verbringen, damit ich dort meinen Lebensmittelpunkt nachweisen kann?

Voraussetzung für ein Insolvenzverfahren (EU-Insolvenz) in England ist, dass Sie dort Ihren Lebensmittelpunkt haben. Lebensmittelpunkt bedeutet den Schwerpunkt Ihrer wirtschaftlichen Interessen. Bei Antragstellung sollten Sie etwa 6 Monate vor Antragstellung Ihren Lebensmittelpunkt in England nachweisen können.

Wie verläuft die Privatinsolvenz in England nach Eröffnung des Verfahrens?

Nach dem sich der Insolvenzverwalter im Anhörungstermin ein Bild über Ihre Situation verschafft hat, erstellt er einen Rechenschaftsbericht zu Ihrer Vermögens- und Schuldensituation. Der Rechenschaftsbericht wird den Gläubigern binnen 12 Wochen zugestellt. Die Gläubiger haben Gelegenheit zur Stellungnahme und können gegebenenfalls den Stand Ihrer Forderung berichtigen und nachweisen.

Muss ich fließend englisch sprechen können?

Nein! Gut ist, wenn Sie in der Schule englisch hatten oder Grundkenntnisse vorhanden sind. Wir begleiten Sie bei allen Behördengängen und auch bei Gericht.

Ist die Restschuldbefreiung welche in England erteilt wurde in Deutschland anerkannt?

Ein BGH-Urteil vom 18.09.2001 (Aktenzeichen IX ZB 51 / 00) lautet:

Wenn sich ein deutscher Staatsangehöriger ins Ausland begibt und sich dort einem Verfahren zur Restschuldbefreiung unterwirft, welches den Regelungen der deutschen InsO, insbesondere in Bezug auf die Vermögensverwertung, grundsätzlich entspricht, so ist eine dort erteilte Restschuldbefreiung auch im Inland anzuerkennen. Die im Ausland geltenden Fristen zur Erlangung der Restschuldbefreiung müssen nicht den relativ langen Fristen der deutschen InsO entsprechen.

BGH, Beschluß vom 18.09.2001 – IX ZB 51 / 00

Eine ausländische Restschuldbefreiung wird nach Art. 102 I EGInsO und EU-Verordnung Nr.1364/2000 vom 29.5.2000 verfahrensrechtlich anerkannt.

Wie hoch ist die Pfändungsgrenze bei einem Insolvenzverfahren in England?

Die “Pfändungsfreigrenze” im Insolvenzverfahren wird individuell festgelegt. Sie dürfen also einen angemessenen Lebensstandard beibehalten und werden nicht, wie in Deutschland, auf das Existenzminimum zurückgeworfen.

Kann ich bei einer Insolvenz in England meine Familie mit Kindern mit nach England nehmen?

Ja und Sie werden erleben, wie ihre Kinder mehrsprachig aufwachsen und sich schnell an das englische Leben gewöhnen. Wir helfen bei Kindergartenplatz Suche, Schulanmeldung, freies Mittagessen.

Gibt es auch soziale Unterstützung bei einer Insolvenz in England?

Natürlich, man kann Wohngeld bei seinen zuständigen Gemeindeamt beantragen. Arbeitslosengeld im Job Centre und es gibt noch einige Tips, welche wir parat haben. Wir helfen bei der Beantragung und Ausstellung der erforderlichen Unterlagen.