Frankreich

Fragen & Antworten zur Insolvenz in Frankreich

Die meisten der üblichen Fragen werden bereits unter Ablauf der französischen Insolvenz beantwortet.

Welche Verbindlichkeiten (Schulden) werden durch die Restschuldbefreiung in Frankreich erfasst?

Normalerweise alle, bis auf wenige Ausnahmen! Zum Beispiel werden folgende Schulden erlassen:

  • BAföG – Schulden
  • Kredit-Schulden
  • Miet-Schulden
  • Zins-Schulden
  • Versicherungs-Schulden
  • Kreditkarten-Schulden
  • Sozialhilfe-Schulden
  • Unterhalts-Schulden, sofern nicht durch Urteil erwirkt
  • ARGE-Schulden
  • Strom-Schulden
  • Heizkosten-Schulden
  • Finanzamt-Steuer-Schulden
  • Krankenkassen-Schulden
  • Warenhaus-Schulden
  • Handyvertrags-Schulden

Wie viel Zeit muss ich zunächst in Frankreich verbringen, damit ich dort meinen Lebensmittelpunkt nachweisen kann?

Voraussetzung für ein Insolvenzverfahren (EU-Insolvenz) in Frankreich ist, dass Sie dort Ihren Lebensmittelpunkt haben. Lebensmittelpunkt bedeutet den Schwerpunkt Ihrer wirtschaftlichen Interessen. Bei Antragstellung sollten Sie etwa 6 Monate vor Antragstellung Ihren Lebensmittelpunkt in Frankreich nachweisen können.

Wie verläuft die Privatinsolvenz in Frankreich zwecks Eröffnung des Verfahrens?

Sie müssen eine notorische Zahlungsunfähigkeit nachweisen. Dann wird in der Regel das Insolvenzgericht eine „kompetente Person“ (das kann ein Wirtschaftsprüfer / Fiduciaire sein) beauftragen, sich ein Bild über Ihre Situation zu verschaffen. Danach erfolgt die Eröffnung des Verfahrens.

Muss ich fließend Französisch sprechen können?

Nein! Gut ist, wenn Sie in der Schule Französisch hatten oder Grundkenntnisse vorhanden sind. Wir begleiten Sie bei allen Behördengängen und auch bei Gericht.

Ist die Restschuldbefreiung welche in Frankreich erteilt wurde in Deutschland anerkannt?

Ein BGH-Urteil vom 18.09.2001 (Aktenzeichen IX ZB 51 / 00) lautet:

Wenn sich ein deutscher Staatsangehöriger ins Ausland begibt und sich dort einem Verfahren zur Restschuldbefreiung unterwirft, welches den Regelungen der deutschen InsO, insbesondere in Bezug auf die Vermögensverwertung, grundsätzlich entspricht, so ist eine dort erteilte Restschuldbefreiung auch im Inland anzuerkennen. Die im Ausland geltenden Fristen zur Erlangung der Restschuldbefreiung müssen nicht den relativ langen Fristen der deutschen InsO entsprechen.

BGH, Beschluß vom 18.09.2001 – IX ZB 51 / 00

Eine ausländische Restschuldbefreiung wird nach Art. 102 I EGInsO und EU-Verordnung Nr.1364/2000 vom 29.5.2000 verfahrensrechtlich anerkannt.

Wie hoch ist die Pfändungsgrenze bei einem Insolvenzverfahren in Frankreich?

Die “Pfändungsfreigrenze” im Insolvenzverfahren wird gemäß Code du Travail / Code de Sécurité Sociale festgelegt. Sie dürfen also einen bescheidenen Lebensstandard beibehalten und werden nicht, wie in Deutschland, auf das Existenzminimum zurückgeworfen.